Meine Zeit in CHAKA WASI von Hanna Eisele – 2020

Als ich endlich nach meinem 16-Stunden Flug in Ecuador ankam, wurde ich herzlich mit einem Bienvenidos-Plakat in CHAKA WASI von allen Mitarbeitern empfangen. Ich war erschöpft, hatte kaum Spanischkenntnisse und war noch nie alleine in ein so weit entferntes Land gereist. Die Erschöpfung ließ sich leicht ablegen mit etwas Schlaf, jedoch wachte ich
leider nicht auf und meine Sprachbarriere war verschwunden. Daher besuchte ich für zwei Wochen in Ambato einen Sprachkurs bei Jimena. Wir lernten Vokabeln, die Grammatik, machten kleine Lernspiele oder gingen auf lokale Märkte auf denen ich die leckersten und außergewöhnlichsten Früchte kaufen konnte, um mit den Ecuadorianern zu kommunizieren.
Doch nicht nur die Sprache machte mir Schwierigkeiten auch an die kulturellen Umstellungen musste ich mich erst einmal gewöhnen, wie zum Beispiel der kulinarische Unterschied, die temperamentvolle Art der Südamerikaner und Kleinigkeiten, die ich zuhause als Selbstverständlich ansah, welche nun aber nicht mehr gegeben waren, wie trinkbares Hahnenwasser.
Doch ich fand mich immer mehr in den Alltag in Chaka Wasi ein. Vor allem half mir dabei Alexandra, die jeden Tag für alle im Heim ein wunderbares Essen auf den Teller zauberte.
Einer meiner Aufgaben war es ihr bei der Zubereitung zu helfen. Ich lernte viel von ihr, nicht nur neue Rezepte, sondern auch wie liebevoll und gelassen sie mit ihren eigenen zwei bezaubernden Töchtern umging aber auch mit den anderen Jugendlichen im Kinderheim.
Zu den weiteren Aufgaben gehörten den großen Garten mit viel Obst und Gemüse in stand zu halten, die Kinder in die Schule zu bringen, Besorgungen in der kleinen Stadt Pujili zu erledigen und den Jugendlichen bei ihren Hausaufgaben zu helfen.
Die Bildung steht bei den Mitarbeitern sowie auch bei den Jugendlichen an erster Stelle. Die Jugendlichen haben alle große Träume und wissen meistens schon ganz genau, was sie einmal studieren wollen und bemühen sich daher immer ihre Hausaufgaben zu erledigen.
Sie bekommen viel Unterstützung, wenn sie Hilfe brauchen, vor allem von Diego, einer der Mitarbeiter. Mit ihm fuhr ich jeden Donnerstag in das kleine Bergdorf Casa Quemada und habe dort an einer Schule den Kindern versucht Englisch beizubringen. Ja versucht, da es sehr schwierig ist Kindern in einem sehr jungen Alter, die erst noch schreiben lernen
müssen, englisch beizubringen. Da kann es schon einmal passieren, dass man im Stuhlkreis die Einzige ist, die “head and shoulders” singt. Doch die Kinder in Casa Quemada sind bezaubernd und freuen sich immer auf den Unterricht. Sie sitzen mit ihren Winterjacken und Mützen im Klassenzimmer, da es dort sehr kalt ist. Doch kalt werden kann es einem nicht, da die Kinder so eine Wärme und Energie versprühen, die einen nur mitreißen kann.
Meine Aufgaben im Heim bestanden nicht nur aus handwerklicher Hilfe und der Hilfe beim lernen, sondern ich durfte auch kreative Arbeit leisten. Jeden Mittwoch kamen externe Kinder die nicht im Heim wohnen und verbrachten ihren Tag mit uns. Ich durfte mir dann
immer ein Unterhaltungsprogramm überlegen, was ich mit den Kindern unternehmen möchte. In der Weihnachtszeit haben wir zum Beispiel aus Pappe Feliz Navidad ausgeschnitten und sie dann mit Farben besprüht und damit dann ein Weihnachtskarten Foto gemacht.

Das Weihnachtsfest ist mir ganz besonders im Kopf geblieben.
Das Kinderheim kauft sich jedes Jahr ein Schwein und dieses wird dann
zum Weihnachtsfest geschlachtet und verspeist. Als Vegetarierin erschrickt einen das natürlich im ersten Moment, jedoch wird dort
sehr gute Agrarwirtschaft betrieben sowohl mit den Tieren als auch mit dem Obst- und Gemüse Anbau. Doch nicht nur wegen dem
Schwein ist mir das Weihnachtsfest im Sinn geblieben. Wir haben alle zusammen Ecuadorianische Spezialitäten gekocht, eine
schöne Essenstafel hergerichtet, zusammen gesungen, getanzt und Spiele gespielt. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, obwohl das Weihnachtsfest bekanntlich gerne zu Hause zusammen mit der Familie gefeiert wird.
In einem Kinderheim muss man sich natürlich auch um das Haus kümmern, um alles in Schuss zu halten. Dieses Jahr stand eine Dachsanierung an. Das hieß alle packen mit an!
Normalerweise gehen die Jugendlichen über das Wochenende zu ihren Familien, doch an diesem Wochenende kamen die Familien zu uns und nach wenigen Tagen war die Arbeit getan und Chaka Wasi hatte ein neues Dach über dem Kopf!

Mich begeisterte sehr, mit was für einem Elan die Jugendlichen mit arbeiteten. Doch nicht nur beim Dachdecken, sondern immerzu jede Woche. Sie helfen beim Kochen, beim Putzen und sorgen sich sehr füreinander. Sie haben einen starken Zusammenhalt und sind sich immer sehr bewusst, dessen was sie tun und daher auch sehr eigenständig. Doch obwohl die Jugendlich so eigenständig sind, empfingen sie mich mit offenen Armen, löcherten mich mit Fragen oder baten mich um Rat.
Ich konnte schnell eine enge Bindung zu ihnen aufbauen.
Es ist beeindruckend, wie die Mitarbeiter und die Jugendlichen mit so wenig Kapital sich so ein warmherziges Zuhause erarbeitet haben. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Spanisch, Eigenständigkeit und vor allem die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, die man
oft als Selbstverständlich sieht.
Una experiencia especial! Gracias y hasta luego.

Erfahrungsbericht aus dem Kinderheim von Teresa Acker (Oktober- Dezember 2019)

Nach meinem Studium wollte ich mir meinen Traum erfüllen und nach Südamerika reisen. Nach langer Suche bin ich auf die „Michael- Günther- Stiftung“ gestoßen dessen Programm mir sofort zusagte. Kurz vor meiner geplanten Einreise kam es zu einem Generalstreik hervorgerufen durch die Streichung der Subventionen für Diesel und Benzin. Aufgrund dessen blieb ich länger in Peru und konnte erst zwei Wochen später als geplant nach Ecuador einreisen. Während dieser Zeit war ich in engem Kontakt sowohl mit Thomas (Ansprechpartner in Deutschland) als auch mit Roberto (Wohnheimleiter) und Jimena, meiner dortigen Spanischlehrerin.

Sie versorgten mich mit Information und halfen mir beim Umgang mit der Situation. Insgesamt verbrachte ich zwei Monate im Kinderheim.
Am Flughafen angekommen begrüßte mich Roberto, den ich kurze Zeit vor Beginn meiner Reise bei einem Vortrag in Deutschland kennenlernte. Auf dem Weg ins Kinderheim kauften wir uns ein für die Region typisches Eis und er berichtete mir von der aktuellen Situation. Im Kinderheim wurde ich von allen Anwesenden herzlich begrüßt. Dabei lernte ich auch Robertos Frau Anita, Ramiro und dessen Frau Mercedes kennen, die ebenso im Kinderheim arbeiten und wohnen. Für die Zeit im Kinderheim wurden sie meine Ansprechpartner.

Roberto zeigte mir das Gelände, unter anderem auch das Haus in der die mir zugeteilte Mädchen-Gruppe wohnte. Danach gab es Mittagessen, Caldo de Pata. Dabei handelt es sich um eine Suppe bestehend aus Kutteln, Gemüse und anderen Zutaten… ein Schweinsfuß schwamm in der Suppe. Ehrlich gesagt können einen die ersten Begegnungen in einem so anderen Land, dessen Sprache man zudem nur sehr rudimentär spricht, schon mal kurz überwältigen. Dieses Gefühl verging aber sehr schnell.
Die ersten drei Wochen besuchte ich vormittags einen Spanischkurs. Hierfür fuhr ich mit dem Bus nach Ambato. Der Spanischunterricht mit Jimena machte Spaß und war sehr hilfreich für das Zusammenarbeiten mit den Kindern. Nachmittags war es meine Aufgabe meiner zugeteilten Mädchengruppe bei den Hausaufgaben zu helfen, vor allem in Englisch. Leider ist es so, dass die Kinder Berge von Hausaufgaben aufbekommen, die teilweise sehr schwer an einem Tag zu bewältigen sind. Daher war es umso schöner, wenn durch die Mithilfe der Tía (Hausmutter) und mir, man abends in erschöpfte aber glückliche Gesichter schauen konnte. Als der Spanischkurs vorbei war, brachte ich mich vormittags bei verschiedenen Aufgaben mit ein, die es zu erledigen gab beispielsweise half ich bei den Markteinkäufen, sortierte Unterlagen im Materialraum oder durfte beim Abholen der Kinder von der Schule helfen. Ein Gefühl von Alltag spielte sich bei mir nicht wirklich ein, was sicherlich auch an der eher kurzen Aufenthaltsdauer lag. Andererseits herrschte viel Abwechslung, vor allem an den Wochenenden. Ich durfte die Kinder ins Kino begleiten und wir besuchten ein für Ecuador typisches Schwimmbad.
Wir wanderten des Öfteren zu dem nahegelegenen See, auf dem wir gemeinsam auch Bootfuhren. Wir spielten Fußball, schauten Filme an und machten Spieleabende, veranstaltet durch die Kinder der Mitarbeiter des Kinderheims, die im Kinderheim aufwuchsen und unter der Woche ihrem Studium oder ihrer Arbeit nachgehen. Zudem gab es viel zu organisieren und vorzubereiten, da die Jubiläumsfeier für das 30-jährige Bestehen des Kinderheims anstand. Kurz um, ich habe die Kinder direkt in mein Herz geschlossen und die gemeinsame Zeit sehr genossen!

Während meines Aufenthalts kamen zwei weitere Volontärinnen aus Deutschland. Meistens verbrachten wir die Wochenenden gemeinsam und feuerten die Fußballmannschaft des Kinderheims auf dem Spielfeld an oder verließen das Kinderheim um die vielen Sehenswürdigkeiten Ecuadors zu besichtigen. Die Landschaft, geprägt durch die Vulkane sind atemberaubend und um einen actiongeladenen Tag zu erleben ist die Stadt Baños sehr zu empfehlen. Dabei lässt sich alles leicht mit dem Bus erreichen. Etwas Acht muss man bezüglich Fahrkartenpreise und seinem Gepäck geben.­
Ich habe in so kurzer Zeit so viel erlebt. Die Herzlichkeit und Freude die mir während meiner Zeit im Kinderheim entgegengebracht wurden war einmalig und ich habe die Zeit sehr genossen. Ich kann die Reise dorthin jedem nur empfehlen, da man einen genaueren Blick auf Land und Leute erhält, was einem bei „bloßem Reisen“ häufig verwehrt bleibt. Ich freue mich sehr auf den Zeitpunkt, wenn sich die globalen Verhältnisse wieder beruhigt haben und das Reisen dorthin wieder möglich ist.

Teresa (Oktober- Dezember 2019)