Erfahrungsbericht aus dem Kinderheim von Teresa Acker (Oktober- Dezember 2019)

Nach meinem Studium wollte ich mir meinen Traum erfüllen und nach Südamerika reisen. Nach langer Suche bin ich auf die „Michael- Günther- Stiftung“ gestoßen dessen Programm mir sofort zusagte. Kurz vor meiner geplanten Einreise kam es zu einem Generalstreik hervorgerufen durch die Streichung der Subventionen für Diesel und Benzin. Aufgrund dessen blieb ich länger in Peru und konnte erst zwei Wochen später als geplant nach Ecuador einreisen. Während dieser Zeit war ich in engem Kontakt sowohl mit Thomas (Ansprechpartner in Deutschland) als auch mit Roberto (Wohnheimleiter) und Jimena, meiner dortigen Spanischlehrerin.

Sie versorgten mich mit Information und halfen mir beim Umgang mit der Situation. Insgesamt verbrachte ich zwei Monate im Kinderheim.
Am Flughafen angekommen begrüßte mich Roberto, den ich kurze Zeit vor Beginn meiner Reise bei einem Vortrag in Deutschland kennenlernte. Auf dem Weg ins Kinderheim kauften wir uns ein für die Region typisches Eis und er berichtete mir von der aktuellen Situation. Im Kinderheim wurde ich von allen Anwesenden herzlich begrüßt. Dabei lernte ich auch Robertos Frau Anita, Ramiro und dessen Frau Mercedes kennen, die ebenso im Kinderheim arbeiten und wohnen. Für die Zeit im Kinderheim wurden sie meine Ansprechpartner.

Roberto zeigte mir das Gelände, unter anderem auch das Haus in der die mir zugeteilte Mädchen-Gruppe wohnte. Danach gab es Mittagessen, Caldo de Pata. Dabei handelt es sich um eine Suppe bestehend aus Kutteln, Gemüse und anderen Zutaten… ein Schweinsfuß schwamm in der Suppe. Ehrlich gesagt können einen die ersten Begegnungen in einem so anderen Land, dessen Sprache man zudem nur sehr rudimentär spricht, schon mal kurz überwältigen. Dieses Gefühl verging aber sehr schnell.
Die ersten drei Wochen besuchte ich vormittags einen Spanischkurs. Hierfür fuhr ich mit dem Bus nach Ambato. Der Spanischunterricht mit Jimena machte Spaß und war sehr hilfreich für das Zusammenarbeiten mit den Kindern. Nachmittags war es meine Aufgabe meiner zugeteilten Mädchengruppe bei den Hausaufgaben zu helfen, vor allem in Englisch. Leider ist es so, dass die Kinder Berge von Hausaufgaben aufbekommen, die teilweise sehr schwer an einem Tag zu bewältigen sind. Daher war es umso schöner, wenn durch die Mithilfe der Tía (Hausmutter) und mir, man abends in erschöpfte aber glückliche Gesichter schauen konnte. Als der Spanischkurs vorbei war, brachte ich mich vormittags bei verschiedenen Aufgaben mit ein, die es zu erledigen gab beispielsweise half ich bei den Markteinkäufen, sortierte Unterlagen im Materialraum oder durfte beim Abholen der Kinder von der Schule helfen. Ein Gefühl von Alltag spielte sich bei mir nicht wirklich ein, was sicherlich auch an der eher kurzen Aufenthaltsdauer lag. Andererseits herrschte viel Abwechslung, vor allem an den Wochenenden. Ich durfte die Kinder ins Kino begleiten und wir besuchten ein für Ecuador typisches Schwimmbad.
Wir wanderten des Öfteren zu dem nahegelegenen See, auf dem wir gemeinsam auch Bootfuhren. Wir spielten Fußball, schauten Filme an und machten Spieleabende, veranstaltet durch die Kinder der Mitarbeiter des Kinderheims, die im Kinderheim aufwuchsen und unter der Woche ihrem Studium oder ihrer Arbeit nachgehen. Zudem gab es viel zu organisieren und vorzubereiten, da die Jubiläumsfeier für das 30-jährige Bestehen des Kinderheims anstand. Kurz um, ich habe die Kinder direkt in mein Herz geschlossen und die gemeinsame Zeit sehr genossen!

Während meines Aufenthalts kamen zwei weitere Volontärinnen aus Deutschland. Meistens verbrachten wir die Wochenenden gemeinsam und feuerten die Fußballmannschaft des Kinderheims auf dem Spielfeld an oder verließen das Kinderheim um die vielen Sehenswürdigkeiten Ecuadors zu besichtigen. Die Landschaft, geprägt durch die Vulkane sind atemberaubend und um einen actiongeladenen Tag zu erleben ist die Stadt Baños sehr zu empfehlen. Dabei lässt sich alles leicht mit dem Bus erreichen. Etwas Acht muss man bezüglich Fahrkartenpreise und seinem Gepäck geben.­
Ich habe in so kurzer Zeit so viel erlebt. Die Herzlichkeit und Freude die mir während meiner Zeit im Kinderheim entgegengebracht wurden war einmalig und ich habe die Zeit sehr genossen. Ich kann die Reise dorthin jedem nur empfehlen, da man einen genaueren Blick auf Land und Leute erhält, was einem bei „bloßem Reisen“ häufig verwehrt bleibt. Ich freue mich sehr auf den Zeitpunkt, wenn sich die globalen Verhältnisse wieder beruhigt haben und das Reisen dorthin wieder möglich ist.

Teresa (Oktober- Dezember 2019)

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