Volonariat in Chaka Wasi- Ein Erfahrungsbericht (von Chiara Arena)

Chiara Arena, eine 20jährige Abiturientin aus Überlingen war 10 Monate als Volontärin in Ecuador. Sie arbeitete dort im Projekt Chaka Wasi (= Brückenhaus) des Jardin del Eden in Pujili. (ca. 3000 m ü.N.N.- 30 km vom Kinderheim entfernt. Dort sind vor allem Jugendliche untergebracht, die aus den hoch gelegenen Dörfern kommen und von dort aus keine weiterführende Schule besuchen können. Viele der Jugendlichen kommen aus schwierigen Familienverhältnissen. Von Pujili aus wird auch die kleine Grundschule in dem 4000m hochgelegenen Casa Quemada unterstützt, außerdem besonders bedürftige Familien. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hat uns Chiara diesen Bericht gesandt:


 

Die Entscheidung war gefallen, der Flug gebucht.  Ziel: Pujilí, Ecuador.
Für die nächsten 10 Monate sollte „Chaka Wasi“ mein Zuhause sein.
Bevor es ins Projekt ging, musste ich aber erstmal an meinen non-existenten Spanischkenntnissen arbeiten und habe daher einen Monat in der Hauptstadt Quito verbracht. Nach den vier Wochen fühlte ich mich gut vorbereitet und nahm zum ersten Mal den Bus nach Pujili. 4 Stunden und einige Schweißausbrüche später lernte ich Rocio, Alexandra und ihre Familie kennen. Sie empfingen mich sehr herzlich und ab diesem Tag begann der Lernprozess. Autofahren auf ecuadorianischen Straßen nach ecuadorianischen Regeln, Arbeit auf dem Feld, Diskussionen mit Lehrern und Beamten, Englischunterricht, Teamarbeit und vor allem die Beziehung zu den Mädels und Jungs in „Chaka Wasi“. Tausend verschiedene Eindrücke stürmen auf einen ein und manchmal muss man sich ein wenig zurücklehnen um überhaupt den Überblick zu behalten. Der Anfang ist nicht unbedingt einfach, ich brauchte meine Zeit um mich an all die neuen Umstände zu gewöhnen und die Menschen um mich herum kennenzulernen.

Wie ich das hier so schreibe, bin ich plötzlich wieder in meinem Zimmer im zweiten Stock und der Wecker klingelt. Die erste Aufgabe des Tages ist immer der „Recorrido“. Mit dem guten alten Pick-up werden die Jugendlichen um genau 7:40 Uhr (aber nach ecuadorianischem Zeitverständnis) in die Schule gebracht. 10 Minuten später gibt es noch eine Warnhupe und die letzten Spätankömmlinge rennen hinter dem Auto her.
Nach dem „Recorrido“ sieht jeder Tag ein bisschen anders aus. Mal geht es gleich in die Schule zu den Lehrergesprächen und mal auf die Tour durchs Dorf um alle Rechnungen zu bezahlen. Mal geht es schon früh morgens hoch in die Berge zu der „Comunidad Casa Quemada“ um mit den Grundschülern Englisch zu lernen, zu puzzeln und in der Bibliothek ein wenig zu lesen. Die Grundschule besteht momentan aus 42 Schülern von 7 unterschiedlichen Klassen und zwei Lehrern. Unterrichtet wird wie folgt: Klasse 1-4 in einem Klassenraum und Klasse 5-7 im anderen Raum. Die Umstände sind dementsprechend sehr schwierig und die Arbeit intensiv.

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Eine lange Zeit meines Aufenthaltes haben wir uns auch der Fertigstellung des Gewächshauses und der Pflanzung von Tomaten gewidmet. Nach einigen Insektenplagen hatten wir den Dreh endlich raus und konnten die reifen Tomaten auf dem Markt und an die Fundaçión verkaufen. Leider viel kurz darauf der Tomatenpreis in den Keller und daher konzentriert sich „Chaka Wasi“ jetzt auf die Erweiterung der Selbstversorgung von Gemüse und Obst.
Diese ganzen Ereignisse wurden eine Zeit lang von den Nachrichten über die Ausbruchgefahr des Vulkans Cotopaxi überschattet. Die Stadt Latacunga wäre im Falle eines Ausbruchs zu einer Gefahrenzone geworden und einige der Jungs und Mädels aus „Chaka Wasi“ haben dort ihr Zuhause. Die Schulen wurden teilweise geschlossen, Auffanglager wurden vorbereitet und zahlreiche Lehrgänge zu Notfallsituationen abgehalten. Das größte Problem war aber eigentlich die fehlende Information über die tatsächlichen Umstände, da der Präsident Rafael Correa den Ausnahmezustand ausgerufen hatte und somit auch kontrollierte welche Informationen publik gemacht werden sollten. Letztendlich sind alle mit einem Schreck davongekommen und die Panik ist langsam abgeklungen.

Die Tage im Projekt geht die meiste Zeit ihren normalen chaotischen Gang, aber natürlich gehören auch Schwierigkeiten zu diesem Alltag. Die Jugendlichen in „Chaka Wasi“ kommen aus schwierigen familiären Umständen und bringen daher auch Probleme aus den Wochenenden mit ihren Familien mit ins Projekt. Die finanziellen Probleme werden von den Eltern oft im Alkohol ertränkt und das führt häufig zu häuslicher Gewalt gegenüber Frauen und Kindern. Durch die Organisation von verschiedenen Versammlungen mit den Eltern und den Jugendlichen zum Thema Gewalt und Umgang in der Familie haben wir versucht das Problem zur Sprache zu bringen. Leider ist das keine Angelegenheit die sich in einer halben Stunde lösen lässt.


Die Zeit verging wie im Flug und schon stand auch Weihnachten vor der Tür. Jeden Tag wurde eine Tür im Adventskalender geöffnet und nach dem Weihnachtsfest wurden alle in ihre wohlverdienten Ferien entlassen. Die Verabschiedung des alten Jahres wird in Ecuador mit der Verbrennung einer selbstgemachten lebensgroßen Puppe gefeiert, welche alles Unglück und negative Energien repräsentiert und mit der Verbrennung einen guten Start in das neue Jahr symbolisiert. Eigentlich hätte ich nach Neujahr schon in einem Flugzeug nach Hause sitzen sollen, aber nach kurzem Überlegen ließ ich den Flieger die Reise ohne mich antreten und blieb noch weitere zwei Monate in Pujilí. Das neue Jahr begann also mit der intensiven Planung für den Bau des neuen Hauses für „Chaka Wasi“ und mit Vorfreude auf den Besuch von der Familie Eichhorn. Das Kinderheim kam mit einem Bus voller helfenden Hände angerollt und alle zusammen haben wir mit der Aushebung des Fundaments für das Haus begonnen. Nach getaner Schauflerei wurde mit ausgiebigen Wasser (und allem was man noch so findet) Schlachten „Carnaval“ gefeiert.

Aufgrund all dieser Ereignisse und Erfahrungen ist es ziemlich unmöglich meine Zeit in Ecuador in wenigen Worten zu beschreiben. Daher freue ich mich schon darauf, wenn mein Sparschwein dick genug ist für einen Besuch in meinem zweiten Zuhause.

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